Samstag, 26. Juli 2008

Das aktuelle Thema:
Armeechef Roland Nef

Was er im Anschluss an die Trennung von seiner Freundin getan hat (Stalking), ist verwerflich und dürfte nicht sein. Dass er heute davon eingeholt wird und als Chef der Armee zurücktreten muss, liegt aber nicht an dem was er getan hat - obwohl das die Grundlage dazu ist – sondern an dem, wie er im Anschluss daran damit umgegangen ist.
Mit seinem verletzenden Tun hat er Unordnung geschaffen, welche er vermutlich nie in Ordnung gebracht hat. Er hat nie den Ausgleich gesucht, der notwendig wäre, dass beide – sowohl seine damalige Freundin wie auch er selber – neu beginnen können. Er hat ein Schweigegeld bezahlt, und so die Unordnung mit einem Deckel zugedeckt. So trägt er die Unordnung weiter in sich und diese wird ihm – unsichtbar – immer wieder im Wege stehen.
Ordnung machen meint:
1. ich erkenne, dass es falsch war, was ich getan habe (weil Jemand darunter leiden musste).
2. ich stehe dazu und bin bereit, auch die Folgen davon zu tragen.
3. ich suche den Kontakt zum „Opfer“ und sage ihm, dass es falsch war, was ich getan habe und dass es mir Leid tut.
4. Ich suche zusammen mit dem „Opfer“ einen Ausgleich zu finden, der dem verursachten Leiden entspricht. Ich tue also etwas für die verletzte Person was dieser nützlich ist und mit dem sie einverstanden ist. Auch Geld ist eine Möglichkeit, aber nicht im Sinne von Schweigegeld . Das wichtigste für das „Opfer“ ist, dass es hört und spürt, dass es dem Täter Leid tut.
Obwohl die Tat nicht mehr Rückgängig gemacht werden kann, ist es so doch möglich daraus zu lernen und eine Ordnung herzustellen, welche beiden das Weitergehen im Leben ermöglicht.
Im Familienstellen werden wir oft mit solchen Themen konfrontiert. Eine Aufstellung zu machen wäre eine gute Möglichkeit, in die dahinter liegenden Zusammenhänge Einblick zu bekommen, um so die Ordnung wieder herzustellen. Oft liegt hinter einem solchen Verhalten ein Verlusttrauma aus der Kindheit oder auch weiter zurück in der Familie. Auch der Verlust eines Zwillings in der pränatalen Zeit im Mutterleib (oft im 1. – 3. Schwangerschaftmonat) ist möglich. Unbewusst kann ein solches Trauma im erwachsenen Menschen weiterwirken, was oft dazu führt, ein erneutes „Verlassen werden“ nicht verarbeiten zu können.
Wir tun gut daran, mit unserer Vergangenheit in Frieden zu kommen indem wir Ordnung machen. Das Familienstellen hilft uns dabei auch da, wo die „Opfer“ oder „Täter“ schon gestorben sind oder aus anderen Gründen nicht mehr erreicht werden können.

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